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Erste Critical Mass in Offenbach

Gestern abend fand erstmalig eine Critical Mass in Offenbach statt. Unter den rund 200 Teilnehmer war auch Oberbürgermeister Horst Schneider. Die Tour ging vom Isenburger Schloß zunächst durch die Innenstadt, über Marktplatz und Wilhelmsplatz, dann die Berliner Straße entlang zu einer Ehrenrunde um den Kaiserleikreisel. Anschließend über Dreieichring, Isenburgring und Sprendlinger Landstraße zum Odenwaldring, dann über die Waldstraße zum Starkenburgring, zu einer Pause an der Ecke Sprendlinger Landstraße, wo der Kiosk im alten Wasserhäuschen das Geschäft des Monats machte. Nach der Pause ging es über die Kaiserstraße zum Hafen und über die Mainstraße und Austraße in die Bieberer Straße. Dort habe ich mich dann ausgeklinkt. :-) War meine erste Critical Mass und eine tolle Erfahrung. Ab jetzt jeden letzten Freitag im Monat.

Wo ist Radfahren sicher?

Der ADFC Frankfurt und das Fahrradbüro Frankfurt feiern weiterhin das Radeln auf der Straße als Fortschritt.  Dabei ignorieren sie, daß das Radfahren auf den vorhanden Weg vor allem deswegen gefährlich ist, weil sie einfach nur schlecht angelegt sind.  Die Schlußfolgerung, daß das Radeln auf der Fahrbahn sicherer ist greift zu kurz, denn Fahrradfahren auf  guten separierten Radwege ist nachweislich am sichersten. (Wer’s nicht glaubt, möge einen Blick zu unseren Nachbarn in die Niederlande werfen.)

Unter http://www.adfc-frankfurt.de/Frankfurt_aktuell/FFA_Archiv/Ausgabe_2015_1/2015_1_08_warum_piktogramme.html gibt es einen Artikel aus der neuesten Ausgabe von „Frankfurt aktuell“, dem Magazin des ADFC Frankfurt.  Dieser Artikel fordert von Radfahrern sich gefälligst gegenüber Autofahrern zu behaupten.  Das geht – wie ich finde – nun wirklich zu weit. :-) Ich frage mich auch langsam welches Zielbild in den Köpfen vorherrscht.  Ich habe den Eindruck, daß es der Helmbewährte und Westenausgestattete Rambo-Radler mit breiten Schultern ist.

Da dies nun wirklich nichts mit Fahrradliebe zu tun hat, sah ich mich zu folgendem Leserbrief veranlasst.


Lieber Bertram Giebeler, Liebes ADFC-Redaktionsteam, Liebes Team des Fahrradbüros,

ich weiß gar nicht so richtig wo ich anfangen soll, aber zu viel ist meiner Meinung nach schiefgegangen bei der Planung und Umsetzung der von Euch gefeierten neuen Radführung an der Station „Hauptfriedhof“ auf der Eckenheimer Landstraße. Vorab gesagt ist es ein Irrtum, daß ein bisschen Farbe eine bessere Radfahrinfrastruktur und mehr Sicherheit bedeutet.

Vielleicht fange ich mit den Bildunterschriften an:
links: Falsch, verschüchtert und lebensgefährlich: Die Radfahrerin hält den Schutzstreifen für eine KFZ-Spur und fährt deshalb auf dem Sicherheitstrennsteifen. Ein Piktogramm auf dem Schutzstreifen fehlt.“
„rechts: Richtig, souverän und sicher: Die Radfahrerin nutzt den Schutzraum des Schutzstreifens. Hier tut sie das auch ohne Piktogramm. Mit Piktogramm weiß auch jeder Autofahrer, dass sie das darf.
Bild Unterschriften“
Was hier fehlt ist kein Piktogramm, sondern eine nicht überfahrbare Barriere zwischen motorisiertem Verkehr und Radverkehr.  Hier wird ganz offen von Radfahrern gefordert sich mutig dem Autoverkehr entgegenzustellen?  Ich zumindest empfinde mich eigentlich nicht als radelnde Verkehrsberuhigungsmaßnahme.  Ich glaube an dieser Stelle wird etwas viel von Radfahrenden erwaretet.  Stellt Euch doch bitte einfach mal an dieser Stelle ein 10jähriges Schulkind auf dem Weg zur Schule vor!  (Kann auch 12 Jahre alt sein; ändert nicht viel.)
Zur Benutzung des Schutzstreifens frage ich mich, ob denn auch jeder Autofahrer weiß, daß Radfahrer den Schutzstreifen verlassen dürfen?  Und insbesondere, daß der Sicherheitsabstand beim Überholen von Radfahrern trotz Farbe auf der Straße einzuhalten ist?  Meiner Erfahrung nach, hat sich das immernoch nicht rumgesprochen.  Solche Linien werden eher als physische Barriere wahrgenommen und als Entschuldigung für zu knappes Überholen genommen.

„Direkt an der Haltestelle wird es dadurch für Autofahrer eng, einen Radfahrer regelkonform zu überholen. Mit Geschick geht das für normal breite PKW, aber eigentlich ist es dann sicherer, die wenigen Meter einfach hinter dem Radfahrer zu bleiben.“

Für Autofahrer wird es eng? Das ist schlichtweg falsch. Für Radfahrer wird es eng! Wer ist denn in seiner Gesundheit gefährdet, wenn es eine Kollision gibt?  Oder ist für Euch unversehrter Lack ein höheres Gut als körperliche Unversehrtheit?

Ich bezweifele auch, daß Überholen für ein normal breites Auto bei Einhalten eines sicheren Seitenabstand auch mit viel Geschick an dieser Stelle physikalisch überhaupt möglich ist.  Insbesondere wenn ich ausreichend Abstand zu Autotüren halte.

„Dies ist übrigens ein Vorgeschmack auf die künftige Situation an der Eschersheimer Landstraße im Bereich der Haltestelle Lindenbaum, nur dort auf wesentlich längerer Strecke – siehe Beitrag oben.“

Na, das macht ja Mut.

„In solchen Engstellen ist eine unmissverständliche Markierung, auch mit Piktogrammen, unbedingt wichtig. Die beiden Bilder oben zeigen, was für Missverständnisse sonst auftreten können. „

Nicht zu vergessen, dass diese Engstelle hausgemacht ist.  Vorher war ein — zugegebenermaßen auch nicht idealer — Radweg vorhanden, der aber immerhin mit einer kleinen Barriere vor dem Autoverkehr schützte.  Und Dooring war auch kein großes Problem, da legale Parkplätze nicht (mehr) vorhanden waren.

Und wie oben schon erwähnt, werden Radfahrer zur Verkehrsberuhigung eingesetzt.  Das dies nicht ohne Konflikte ablaufen wird, dürfte eigentlich jedem klar sein.  … dachte ich.
„Es muss Rad- und Autofahrern intuitiv klar sein, dass Radfahrer ihren Platz auf der Fahrbahn innerhalb des Schutzstreifens haben.“
Diese Formulierung ist so nicht korrekt.  Der Benutzung des Schutzstreifen ist für Radfahrer nicht verpflichtend!  Und insbesondere bei solch schmalen Schutzstreifen ist das Überholen von anderen Radlern ohne Verlassen des selben nicht möglich.  Hier fehlt ein ausdrücklicher Hinweis, daß das Verlassen des Schutzstreifens für Radfahrer vollkommen regelkonform ist.
„Der Autofahrer muss hinter dem Radfahrer warten, wenn er sich beim Überholen unsicher ist oder wenn er ein breites Fahrzeug fährt.“
Es ist schön, daß Ihr Radfahrern erläutert wie sich Autofahrer zu verhalten haben.  In der Regel tun sie das ja auch.  Was ist aber mit den paar Prozent, die sich eben nicht daran halten?  Die sich den Platz der nicht vorhanden ist einfach nehmen?  Von diesen soll ich also geschnitten, abgedrängt oder überfahren werden?
„Der schmale Sicherheitstrennstreifen dient zum Schutz des Radfahrers vor sich öffnenden Autotüren und sollte auf keinen Fall befahren werden.“

Da frage ich mich natürlich ob Euch klar ist, wie weit eine geöffnete Autotür herausragt.  Und auch, wie der Streifen die Autotür aufhalten soll?

„Wir haben übrigens die Piktogramme Mitte Dezember beim Straßenverkehrsamt dringend angemahnt, weil ihr Fehlen ein erstes Sicherheitsproblem ist. Das Radfahrbüro sieht das genau so. Es ist zu hoffen, dass sie bei Erscheinen dieser Ausgabe aufgebracht worden sind.“

Das Fehlen von Piktogramme stellt doch kein Sicherheitsproblem dar.  Oder schützt mich ein Piktogramm in irgendeiner Weise vor einem Fehlverhalten Anderer?

Wenn es das Ziel ist Verkehr sicherer zu machen, dann brauchen wir eine Infrastruktur, die Fehler verzeiht.  In der kleine Fehler nicht zu großen gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder gar zum Tod führen.
Das eine solche Infrastrukur möglich ist, zeigen mal wieder unsere Nachbarn aus den Niederlanden.  Ich möchte hier mal wieder auf den hervorragenden Blog von Mark Wagenbuur verweisen.  Seine Blog-Einträge zeigen auf einfache und verständliche Weise, wie mit wenig Aufwand die Sicherheit von separierten Radwegen erhöht werden kann.  Beispielsweise hier: https://bicycledutch.wordpress.com/2010/11/23/bicycle-infrastructure-in-the-netherlands/ .
Der Schildbürgerstreich, der sich auf dem Radweg in nördlicher Richtung ereignet hat, hat leider überhaupt keine Erwähnung in Eurem Artikel gefunden.  Hier gab es eine nahezu perfekte Trennung des Radverkehrs vom Autoverkehr. Ein Radwegführung ohne Konflikt mit dem motorisierten Verkehr und ohne Konflikte mit Fußgängern.  Allein die Oberfläche des separaten Radwegs war mit der Zeit etwas uneben geworden und auch die Kreuzungssituation hätte man mit wenig Aufwand entschärfen können.
Ich frage mich wieso ein sicherer und komfortabler Radweg bei ausreichendem Platz einfach so abgeschafft wird?  Sitzt Ihr alle inzwischen nur noch an Euren Schreibtischen und kommt gar nicht mehr zum radeln?
Ach, und noch ein weiteres Ärgernis — besonders in nördliche Richtung, weil’s da bergauf geht — ist die Ampelschaltung: Die früher vorhande Fußgängerampel, die zur Mitte des Bahnsteigs führt, wurde durch zwei Fußgängerampeln an den beiden Enden des Bahnsteig ersetzt. Das wäre ja nicht so schlimm und ist mobilitätseingeschränkte Personen bestimmt auch eine Verbesserung. Das Problem besteht darin, daß es als Radfahrer praktisch unmöglich ist beide Ampeln in einem Rutsch zu überwinden.  Mir zumindest ist es bisher nur ein einziges Mal gelungen.  (Da ich in Eckenheim wohne fahre ich diese Strecke öfter; seitdem Umbau inzwischen bestimmt 20 mal.)
Mein Resumé:
  • Als Sofortmaßnahme brauchen wir Tempo 30 an allen Stellen an denen Radfahrer die Fahrbahn mit motorisierten Verkehrsteilnehmern teilen, damit die Auswirkungen von Fehlern verringert werden.
  • Da wo genug Platz zur Verfügung steht, sollte der Radverkehr auch getrennt geführt werden; wobei insbesondere auf das Kreuzungsdesign zu achten ist.  (Auch hier der Verweis zu https://bicycledutch.wordpress.com/ ).
  • Aufbringen von Fahrradpiktogrammen mittig auf der Fahrbahn wäre bestimmt ein nettes Goodie.
  • Eine Entfernung des Schutzstreifen würde dann noch die Mißverständnisse verringern und führen meiner Erfahrung nach auch zu vorsichtigerem Überholen.
Abschließend noch zwei Anmerkungen:
  • Eine schlechte Infrastruktur läßt sich an der Anzahl der Helmbewehrten und mit Sicherheitswesten ausgestatteten Radlern erkennen.  Die fahren doch nicht aus Spaß so rum, sondern weil sie sich gefährdet fühlen und sind.
  • Eine gute Fahrradinfrastruktur läßt sich ganz einfach erkennen: Stellt Euch einfach vor Eure 10 jährige Tochter will mit Fahrrad in die Stadt fahren. Wo wird sie fahren? Wo wird sie sicher sein? Wo wird sie sicher fühlen?
Es ist ein Irrtum sich einzubilden, daß der Radverkehr in Frankfurt aufgrund der Infrastrukturänderungen wesentlich zugenommen hat.  Vor allem hat er zugenommen, weil viele erkannt haben, daß radeln Spaß macht uns sich den Spaß nicht mehr nehmen lassen wollen.
In der Hoffnung, daß Ihr Euch nicht angegriffen fühlt und vielleicht überlegt für wen eine Rad-Infrastruktur überhaupt vorhanden sein soll verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen

Tempo 30 … kommt langsam!

So langsam kommt das „Tempo 30 in den Städten“ im MainStream an.
So hat nun die Gewerkschaft der Polizei in allen Innenstädten in NRW Tempo 30 gefordert. „Zu oft würden Fußgänger und Radfahrer bei Unfällen verletzt, bei denen die Höchstgeschwindigkeit nicht überschritten worden sei, so GdP-Landesvorsitzender Arnold Plickert.“
http://www.ksta.de/nrw/gewerkschaft-der-polizei-tempo-30-in-allen-innenstaedten-in-nrw-gefordert,27916718,28965988.html

Sichtbar Fahren

Viele Radler insbesondere unerfahrene fahren auf Straßen sehr weit am Rand. Sie tun das zumeist aus falscher Rücksichtnahme oder weil sie sich dort sicherer fühlen. Allerdings wird man am Rand der Fahrbahn nicht gut von anderen Verkehrsteilnehmern (beispielsweise Autofahrern) wahrgenommen.
Sicherer ist es darauf zu achten, stets von anderen Verkehrsteilnehmern gesehen und vor allem auch von anderen bewusst wahrgenommen zu werden. Die beliebten gelben Westen sind hierbei allerdings wenig geeignet; sie erhöhen zwar die Sichtbarkeit aber nicht unbedingt, das wahrgenommen werden. Hilfreicher ist es sich mehr in die Fahrbahnmitte zu orientieren. (Aus der gefährlichen Dooring-Zone kommt man so übrigens ganz nebenbei auch.) Dabei geht es nicht darum absichtlich andere zu behindern, sondern vielmehr darum sich selbstbewusst als gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer zu begreifen.
Und selbst wenn man hierbei von Fall zu Fall als Hindernis wahrgenommen wird, ist das dann immer noch besser als übersehen und überrollt zu werden.
Eine hübsche Grafik, die sichtbares Fahren illustriert habe ich auf http://berlinbikeblog.tumblr.com/post/100217587502 gefunden.

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Eine unerwartete Unterhaltung

Der Krieg auf der Straße findet doch im wesentlichen in den Medien statt und gottseidank seltener auf der Fahrbahn … wie wir eigentlich alle wissen, wenn wir mal ehrlich sind.  Ohne gegenseitige Rücksichtnahme kämen wir ja gar nicht weiter. Womit nicht gesagt ist, das es keine Ausnahmen gäbe; den Satz „ich hab‘ Sie nicht gesehen“ kann ich wirklich nicht mehr hören, aber wenn hinterher eine Entschuldigung kommt ist das doch sehr nett:
http://www.youtube.com/watch?v=hfZvztBy4YY

Die richtigen Vorbilder wählen

Frankfurt behauptet mit der Mischung von Auto- und Radverkehr auf der einer gemeinsamen Fahrbahn ein Allheilmittel gefunden zu haben.  Ich denke es ist einfach nur einfach umzusetzen weil es nichts kostet.

Wie man Radwege richtig baut, sieht man mal wieder auf einem meiner Lieblings-Youtube-Kanäle von „markenlei“: http://www.youtube.com/watch?v=2OKZAGa6pkk

PS: Zu beachten ist auch, wie schnell die Bedarfsampel grün wird!